Me Schugge

Von Tübingen nach Chemnitz, Bachelor zu Master. Für ein Studium, das nachher vermutlich sowieso kein Geld machen wird, zieht es Me Schugge von Niemandsland zu Niemandsland, die einzige Konstante bleibt dabei das Textbuch auf der Toilette. Zwischen Kater und Trott, immer gleichen WG-Parties und Internetkultur meisterte der in Stuttgart aufgewachsene Rapper die Kunst des Wabi Sabis und fand eine musikalische Heimat in der Nische des absurdkomischen, unfreiwilligen Comichelden, der auf dem Klo geschriebene Texte unter das Banner des ZenBuddhismus stellt – einfach nur deswegen, weil es gut klingt. „Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbaren“, so steckt sich die fernöstliche Weisheit ab. Me Schugge ist ein Mann der weniger blumigen Worte: „Während alle deine Mutter ficken wollen, will ich nur an ihr Geld ran“. Ob es pointierte Oneliner, ausufernde Gedankengänge oder absurde Storyteller sind, sein wabi sabi fängt die Ordinariät des absurden Alltags und der Gesellschaft ein, um sie darauf in all seiner ihrer matten Bedeutungslosigkeit auszustellen.

Dabei trägt sein Blick die Perspektive eines Menschen, der das Leben und die Leute schätzt, der sich nicht aus seinen Beobachtungen ausnimmt, sondern sich an komplexe Themen mit leichtfüßiger Albernheit und einem feinsinnigen Gespür für Satire heranwagt. Man könnte aufgrund der Stuttgarter Sozialisation zwanghaft nach Parallelen mit Stuttgarter Rap-Urgesteinen suchen, es wäre jedoch eine vergebliche Suche und er möchte sich auch genauso wenig dort anbiedern. Die Produktion fußt auf Oldschool und Lo-Fi-HipHop, oftmals mit unaufdringlich melancholischem Vibe, der Rapstil erinnert dabei eher an ein Mittelding zwischen Aesop Rock, Brockhampton und – sofern man denn ein deutsches Beispiel hineinnehmen möchte, Dendemann. Der Bezug zur alten Schule schimmert ab und zu auf, ist aber nie dominant, der Humor ist allgegenwärtig, aber nie gewollt oder erzwungen. Zwischen lockerem, nahbarem Sprechgesang findet sich auch immer wieder eine Hook, die in ihrer eigenwilligen Sperrigkeit trotzdem prägnant im Kopf bleibt.

Nachdem 2014 die EP „Tumult im Wäscheberg“ über das alternative HipHop- und Dreampop Kollektiv Anti-Realiti erschienen ist, hat das Debütalbum „wabi sabi“ Ende 2017 das Licht der Welt erblickt. 2019, genauer gesagt am 6. Juli 2019, erscheint nun endlich seine neue EP, die auf den Namen „Hits! Hits! Hits!“ hört. In naher Zukunft darf man sich auf erste Vorboten dieser EP freuen, die bei diversen Auftritten schon ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt haben.

 
Dates

Am 21.6.2019 im AJZ mit Band („Frennz“)

Am 06.07.2019 große Releaseparty von Hits! Hits! Hits! im Lokomov (mit Frennz)

Am 17.07.2019 in der Unanbeatbar Schwarzenberg